5.3.2 Der Feuerwehrdienst im zweiten Weltkrieg

Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Zu diesem Zeitpunkt wußten die Feuerwehren, daß sie ein wichtiger Bestandteil des Heimatschutzes in einem künftigen Krieg sein würden. Der zunächst für Deutschland erfolgreiche Verlauf der Feldzüge gen Polen und Westen erweckte jedoch nicht den Eindruck, als müßten Feuerwehrleute jemals deutsches Gebiet gegen die Folgen von Brandbomben schützen. Ab Frühjahr 1941 setzte dann aber ein verstärkter Bombenangriff der Alliierten unter anderem auf Schleswig-Holstein ein. Die Stadt Kiel und ihre nähere Umgebung waren besonders betroffen, weil die Provinzmetropole einen Marinehafen besaß und viele Rüstungsbetriebe dort angesiedelt waren.

Für die Feuerwehren des Kreises Plön begann eine Zeit mit schwierigen Einsätzen, da sie sehr oft zu Lösch-, Bergungs- und Rettungsmaßnahmen in die Städte Kiel, Hamburg und Lübeck gerufen wurden. Der Kreis Plön blieb ebenfalls von Bombenangriffen nicht verschont.

Das bedeutendste Problem der Feuerwehren stellte sich wie schon 1914 nach Kriegsbeginn ein: Durch Einberufung zum Kriegsdienst schmolzen die Mitgliederbestände schnell zusammen, so daß der Brandschutz nicht überall gesichert war. Eine Verordnung zum Reichsfeuerlöschgesetz vom 24. Oktober 1939 schuf Abhilfe. In allen Gemeinden, in denen die Freiwillige Feuerwehr nicht mehr zustande kam oder zu sehr geschwächt war, wurden die noch anwesenden männlichen Einwohner zwischen dem 17. und 65. Lebensjahr zum Brandschutz verpflichtet. Die Gemeinde Lutterbek griff am 12. April 1941 auf diese Verordnung zurück und gründete eine Pflichtwehr. Dazu heißt es in der Jubiläumsfestschrift der Freiwilligen Feuerwehr Lutterbek: „Aufgrund der polizeilichen Verfügung der Ortspolizeibehörde Lutterbek vom 12. April 1941 betreffend der Aushebung als Pflichtfeuerwehrmann wird einer Reihe von Steiner Bürgern der „Behändigungsschein“ gegen ihre Unterschrift ausgegeben. Sie sind damit Pflichtfeuerwehrmänner. Es waren: Heinrich Köppen, Hermann Kähler, Hermann Danker, Gustav Göttsch, Willi Hagedorn, Christian Bahr, Hans Arp, Wilhelm Tautz, Gerhard Wiese, Karl Schütt, Hugo Wasmund, Karl Hilbert, Hermann Börnsen, Bernhard Zöllmer, Ernst Arp, Hermann Both, Heinrich Sindt, Rudolf Lamp.“

In einer Anweisung über die Diensteinteilung heißt es: „Zum verstärkten Einsatz der feindlichen Nachtangriffe werden jetzt die Notdienstverpflichteten Feuerwehrmänner herangezogen, um den freiwilligen Kameraden Hilfe zu leisten gegen Brand oder sonstige Gefahren. Bei feindlichen Einflüssen sind diese Kameraden (Namen siehe oben) jetzt eingeteilt und geben Beobachtung, wo irgendwelche Gefahren sich befinden. Die Kameraden der Freiwilligen und Notdienstverpflichteten Feuerwehr haben sich zu jeder Zeit, sobald sie anwesend sind, auf ihrem Stand zu halten.“

Sobald die noch bestehenden bzw. neugegründeten Löschmannschaften z. B. nach Kiel oder Hamburg ausrückten, übernahmen Frauen und junge Mädchen deren Aufgaben am Heimatort.

Jetzt wirkte es sich positiv aus, daß die Feuerwehren im Rahmen ihrer Aufgaben im Luftschutzdienst motorisiert wurden. Teil des Luftschutzkonzeptes war es nämlich, bis zum Jahre 1940 in Deutschland Motorspritzen im Höchstabstand von 15 km zueinander zu stationieren. Auch wenn das Konzept im Kreis Plön nicht eingehalten werden konnte, wurden bis 1942 viele Feuerwehren mit Motorspritzen ausgestattet. Schon frühzeitig (um 1936) wurde den Gemeinden die Finanzierungslast dieser Anschaffung mit der Empfehlung übertragen, rechtzeitig Rücklagen zu bilden.

In der Nacht vom 18. auf den 19. März 1941 kam es zu einem schweren Luftangriff auf Kiel. Wider Erwarten konnten mehr Mannschaften aus den Nachbarkreisen eingesetzt werden, als benötigt wurden. Der Polizeipräsident von Kiel sprach in seiner Funktion als örtlicher Luftschutzleiter den Landräten des Kreises Plön, Rendsburg und Eckernförde seinen Dank für die rasch erfolgte Hilfeleistung aus.

In der Chronik der Feuerwehr Selent wird ein Löscheinsatz nach einem Bombenangriff in der Nacht vom 7. auf den 8. April 1941 beschrieben: „Alles war auf den Beinen. Gegen 3 Uhr ertönte Feueralarm zwischen dem Surren der Feindmaschinen und dem Flakfeuer. Das Wohnhaus und die Scheune von Ch. Schnoor in Lilienthal waren durch Brandbomben entzündet. Die Dobersdorfer Wehr traf um 4 Uhr am Brandplatz ein und Schlesen um 4.15 Uhr. Wegen Beschuß konnte man nicht gleich ausrücken. Nur Schlesen hatte eine Kraftspritze, und die Dobersdorfer arbeiteten mühsam mit der Handspritze gegen das Feuer. Alles Vieh konnte gerettet werden bis auf drei Kälber und Hühner. Dagegen wurde nur wenig Mobiliar geborgen, da das Gebäude gleich auf der Stelle brannte. Am 8. April nachmittags um 18 Uhr konnte die Feuerwehr abrücken.“

Eine der deprimierenden Erfahrungen, die Feuerwehrmänner in bombardierten Städten machen mußten, war jene, daß mit den herkömmlichen Mitteln der Brandbekämpfung nicht viel auszurichten war. Hatte das Feuer einen Straßenzug erfaßt, so blieb der Feuerwehr oft nichts anderes übrig, als das eigene Fahrzeug und die Mannschaften aus dem Gefahrenbereich zu retten.

Am 29. März 1942 schrieben die „Lübecker Nachrichten": „Lübeck in Flammen, Menschen in Not, ein Chaos mit zertrümmerten Häusern, Toten, Verletzten oder Obdachlosen, ohne Wasser und Energie, in Eiskälte, mit verstopften und zugeschütteten Straßen. Eine grauenvolle Situation.(…). Aus ganz Norddeutschland eilten die Hilfsmannschaften nach Lübeck.“

Abgeworfene Phosphorbomben ließen die Hilflosigkeit der traditionellen Brandbekämpfung gegen Brände dieses Ausmaßes deutlich werden. Die Bemühungen der angerückten Mannschaften, erwähnt sei aus dem Kreis Plön unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Preetz, blieben erfolglos. Große Teile der Lübecker Altstadt wurden zerstört.

Die Gemeinde Wisch erlebte vom 4. auf den 5. April 1943 den bis dahin „folgenschwersten“ Angriff. Dazu heißt es im Protokoll:

Ab 1943 erfolgte ein verstärkter Einsatz der Feuerwehren des Kreises in Hamburg. Wir entnehmen dem Fahrtenbuch der Feuerwehr Preetz folgende Eintragung: „28. Juli 1943 Einsatz Hamburg - Ab Preetz: 3.40 Uhr, morgens - Fahrzeuge: LF 15, LF 8 Zugführer: Gustav Gudegast“.

Zwischen dem 26. und 28. Juli 1943 standen die aufgestellten Bereitschaftsmannschaften unter dem Befehl von Oberzugführer Vöge aus Brodersdorf. Sie wurden auf verschiedene Hamburger Stadtteile verteilt Die Heikendorfer Feuerwehr wurde z. B. unter der Leitung von Zugführer Rehfeld zuerst am „Allgemeinen Krankenhaus St. Georg“ eingesetzt. Danach bekam die gesamte Bereitschaftsmannschaft neue Einsatzobjekte im Stadtteil Wandsbek zugeteilt.

Ein Jahr später (23./24. Juli 1944) wurde Neuheikendorf bei einem Luftangriff zerstört. Der damalige Bürgermeister H. Burmann berichtete in einem Schreiben an den Landrat: „In der Nacht vom 23./24. Juli 1944 griff der Feind überraschend an. Alarmzeit 0.35-2.30 Uhr. Bomberrauschen, Maschinengeheul, Bombenheulen, Krachen, Bersten und Erdstöße teilten sich im Keller unvorstellbar mit. Türen brachen durch Druck und Sog, Dächer deckten ab. Innen- und Außenwände waren gebrochen und geborsten. Fenster waren eingedrückt, starke Baumstämme abgedreht. Kitzeberg war hart geschlagen. 25 Tote, Verletzte, Verschüttete. Totalausfall: 4 Wohnungen. Meldung an den Landrat: Zahlreiche Spreng- und Brandbomben, Verschüttete, Verletzte. Fremde Hilfe erforderlich.“

In dieser Situation war die Heikendorfer Feuerwehr überfordert. Wenige Monate danach wurde Kitzeberg völlig zerstört bzw. Alt-Heikendorf und Möltenort standen in Flammen, ohne daß die Feuerwehr einen erfolgreichen Löscheinsatz leisten konnte. Eine ähnliche Erfahrung hatte die Freiwillige Feuerwehr Krokau ein Jahr zuvor machen müssen. Während eines Luftangriffes in der Nacht vom 4. auf den 5. April 1943 wurde das bau- und kulturhistorisch wertvolle 700 Jahre alte Runddorf zur Hälfte zerstört.

Der ehemalige Feuerwehrmann J. Ploog (Plön) berichtet uns in seinen Erinnerungen „Wie ich als Feuerwehrmann das Kriegsende in Plön erlebte“ von einem Einsatz am 13. Dezember 1944 in Güsdorf: „Wir erhielten den Auftrag, sofort nach Güsdorf zu fahren. Dort brannte eine Scheune mit über 100 Fuder Korn und vielen landwirtschaftlichen Maschinen. Der Anblick war furchtbar! Wir bekämpften das Feuer bis zum Abend, dann wurden wir von der Ascheberger Wehr abgelöst. Wir packten unsere gefrorenen Schläuche auf unseren Gerätewagen und fuhren zum Gerätehaus. Dort hatten wir unsere Schläuche gerade abgeladen, als unser Kreisfeuerwehrhauptmann kam und befahl, die Schläuche aufzuladen und zu einem Großfeuer nach Kiel zu fahren.(…). Gegen Abend wurden wir abgelöst und konnten wieder nach Plön abrücken. Bevor wir aber nach Hause kamen, mußten wir unsere gefrorenen Schläuche erst zum Trocknen in den Schlauchturm hängen. Dann erst konnten wir todmüde und durchnäßt nach Hause. Die Einsätze mehrten sich. Die beiden ersten Züge mußten fast täglich nach Kiel oder Hamburg, und auch wir vom dritten Zug hielten uns täglich bereit zu Einsätzen in Plön und Umgebung.“

Die Löscheinsätze in den brennenden Städten forderten durch Blindgänger und zusammenstürzende Häuser viele Opfer unter den Feuerwehrmannschaften. Kurz vor Kriegsende kam es am 4. Mai zu einem schweren Angriff auf Plön. Die Freiwillige Feuerwehr Hohenfelde wurde dorthin zu Löscharbeiten beordert. Der Feuerwehrchronik entnehmen wir, daß der Einsatz zunächst auf Widerstand stieß, da die Fahrt nach Plön als zu gefährlich angesehen wurde. Schließlich fanden sich neun Männer der Löschgruppe zu diesem Einsatz bereit. Ständige Fliegerangriffe auf einen bei Schmoel angelegten Flugplatz der Luftwaffe zwangen die Männer, die Einsatzfahrt bei der Meierei in Hohenfelde zu stoppen, um Deckung zu suchen. Als die Flugzeuge vorüber waren, setzten sie ihre Fahrt fort. Nach etwa 1,5 km wurden sie nochmals von einem Fliegerangriff überrascht. Die Männer verließen sofort das Löschfahrzeug. Nach kurzer Zeit glaubte Wehrführer Hans Geerdts, der Angriff sei vorüber. Er erhob sich, ohne ein herannahendes Flugzeug zu bemerken, das mit abgestelltem Motor in der Luft schwebte. Hans Geerdts wurde mit einer „Maschinengewehr-Garbe“ beschossen, die ihn tödlich in den Rücken traf. Die übrigen Feuerwehrmänner erlitten zum Glück nur geringe Verletzungen oder kamen mit dem Schock davon.

Dieser tragische Einsatz war vermutlich einer der letzten der Feuerwehren im Kreis Plön vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Der Zweite Weltkrieg, der Millionen Menschen das Leben gekostet hatte, war beendet.

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