5.5 Der Ausbau des Feuerwehrwesens und seine weitere Entwicklung bis in die Gegenwart

In den sechziger Jahren förderte die Landesregierung die Neuanschaffung von Löschfahrzeugen in den Gemeinden durch finanzielle Beihilfen. Das am 4. November 1964 vom Landtag verabschiedete Gesetzüber den Brandschutz und die Hilfeleistungen der Feuerwehren wies den Wehren ein größeres Aufgabengebiet zu. Dienten die Einsätze bisher der Feuerbekämpfung, so wurden die Feuerwehren von nun an öfters zu anderen Hilfeleistungen wie z. B. bei Verkehrsunfällen gerufen. Oft liest man bis zum heutigen Tag bei der Veröffentlichung von Einsatzberichtender Wehren in der lokalen Presse Überschriften wie „Die Feuerwehr - Mädchen für alles“.

Nach der Gebietsreform von 1970 verließen 16 Wehren mit 435 Mitgliedern den Kreisfeuerwehrverband. Es verblieben 116 Orts- und Gemeindewehren mit 157 Löschgruppen und insgesamt 2480 aktiven Mitgliedern.

Am 3. Dezember 1971 wurde die heutige Kreisfeuerwehrzentrale in der Ascheberger Straße in Plön eingeweiht. Der Kreis verfügte damals über die modernste Anlage dieser Art in Schleswig-Holstein.

Drei Jahre später lief die Amtszeit des Kreisbrandmeisters Heinrich Banck aus Altersgründen ab. Am 9. März 1974 wählte die Mitgliederversammlung Gunther Stoltenberg-Frick (Stakendorf) zu seinem Nachfolger. Heinrich Banck erhielt im Oktober desselben Jahres aus der Hand des damaligen Innenministers Titzck das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik.

Seit Oktober 1977 verfügte der Kreis Plön als vierter Landkreis in Schleswig-Holstein über eine Rettungsleitstelle für den Einsatz des Rettungsdienstes im gesamten Kreisgebiet. Sie wurde zunächst in einem Nebengebäude der Kreisfeuerwehrzentrale untergebracht und befindet sich heute im Gebäudekomplex der Kreisverwaltung in der Hamburger Straße.

Mittlerweile war die Mitgliederzahl des Kreisfeuerwehrverbandes auf 3075 aktive Feuerwehrmänner angestiegen. Insgesamt gab es im Kreisgebiet 1977 608 Einsätze, davon waren 459 Hilfeleistungen wie z. B. bei auftretenden Ölschäden (66), Verkehrsunfällen (48), Sturmschäden (104) und vollgelaufenen Kellern (62).

Der Kreisfeuerwehrverband Plön zählte mit der Ausrüstung und Ausbildung seiner Wehren zu den Spitzenverbänden in Schleswig-Holstein („Kieler Nachrichten“, 23. Juli 1974). Dieser Leistungstand wurde bis zum heutigen Tage gehalten. Erst vor zwei Jahren bescheinigte der jetzige Landrat Dr. Wege dem Verband ein „hohes Leistungsniveau“, das eine Spitzenstellung im Lande widerspiegelt.

Dieses Niveau ist unter anderem der Unterstützung der Kommunalpolitiker zu verdanken, die sich - gleich welcher politischen Einstellung - um das Feuerwehrwesen bemühten. Erinnert sei noch einmal an das Engagement des Landrats Dr. Kiepert in den zwanziger Jahren, aber auch spätere Landräte wie Dr. Galette (1961-1979) und Dr. v. Bismarck (1979-1989) förderten das Feuerwehrwesen.

In den siebziger Jahren wurde sowohl auf Kreisebene als auch in den Gemeinden großzügig investiert. Viele Ortswehren bekamen die notwendigen neuen Löschfahrzeuge, Rüstwagen und Funksprechanlagen. Den Bau neuer Gerätehäuser, der zwar in Eigenleistung der Feuerwehren geschah, unterstützten die Gemeinden. Die Feuerwehren erreichten einen hohen technischen Stand.

Zu Beginn der achtziger Jahre verschlechterte sich die finanzielle Situation von Bund, Ländern und Gemeinden. Die Verschuldung der öffentlichen Hand stieg schneller als erwartet. Die Wirtschaft befand sich in einer Krise, steigende Arbeitslosigkeit war die Folge. Im Winter 1982 lag die Arbeitslosenquote z. B. im Raum Lütjenburg bei über 16 %. Die kommunalen Haushalte wurden durch steigende Transferzahlungen (Sozialhilfe, Wohngeld u. ä.) an die Bürger bei rückläufigem Steuereinkommen stark belastet.

Trotz geplanter Einsparungen waren sich die politisch Verantwortlichen darin einig, weiterhin die notwendigen erforderlichen Investitionen für das Löschwesen zu leisten. Eine der bedeutendsten Anschaffungen waren die Atemschutzgeräte. Im Februar 1983 waren nur ein Viertel der Feuerwehren im Kreis damit ausgestattet. Bis 1987 konnte diese Situation zwar verbessert werden, aber viele Gemeinden waren finanziell nicht in der Lage, eine ausreichende Anzahl von Atemschutzgeräten anzuschaffen. Dazu erklärte der damalige Amtswehrführer und heutige Kreisfeuerwehrführer Hans-Peter Kröger (Lütjenburg - Kaköhl): „Für die einzelne Orts- und Gemeindewehr ist es oft unmöglich, mehr als zwei Atemschutzgeräte zu beschaffen. Wenn in der Nachbargemeinde allerdings die Geräte ebenfalls vorhanden sind, können die Wehren gemeinsam einen vorschriftsmäßigen Einsatztrupp bilden.“.

Die Feuerwehren im Amt Lütjenburg-Land griffen z. B. zur Eigeninitiative und gründeten sogenannte Arbeitsbereiche, die aus vier Gruppen bestanden: Hohwacht/Blekendorf; Helmstorf/Dannau/Högsdorf/Kletkamp/Kirchnüchel; Panker/Behrensdorf/ Schwartbuck/Hohenfelde und Giekau/Tröndel/ Klamp. Innerhalb dieser Gruppen stimmen sie ihre technische Ausrüstung aufeinander ab.

Die Ausbildung der Atemschutzträger erfolgte an der 1984 auf dem Grundstück der Kreisfeuerwehrzentrale fertiggestellten Atemschutzübungsanlage. Zwar war die Notwendigkeit der Übungsanlage unbestritten, die schwierige Finanzlage zwang den Kreis jedoch zunächst, nach Alternativen zu suchen. im Dezember 1982 sperrte der Kreistag die für den Bau erforderlichen Haushaltsmittel. Die Kreisverwaltung überprüfte, zu welchen Bedingungen und in welchem Umfang die Feuerwehren Übungsanlagen anderer Dienststellen wie die der Bundeswehr mitbenutzen könnten. Es zeigte sich, daß es keine alternativen Lösungen gab, so daß der Kreistag im April 1983 760 000 DM für den Bau eines Lehrgebäudes mit Atemschutzanlage bewilligte. Weitere 340 000 DM waren für 1984 geplant. Am 14. Juli 1984 vollzog der damalige Landrat Dr. v. Bismarck in Gegenwart von Bischof Prof. Dr. Ulrich Wilckens die feierliche Einweihung.

Die Feuerwehren griffen besonders in der Zeit wirtschaftlicher Krisen auf Eigeninitiative zurück, um die kommunalen Haushalte zu entlasten. Die Feuerwehrmänner errichteten die Feuerwehrgeräte- und Gemeinschaftshäuser von jeher in Eigenleistung. Im Jahre 1973 bauten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lütjenburg ihr Feuerwehrgerätehaus in 989 Arbeitsstunden selbst auf. Die Stadt bewilligte einen Zuschuß von 8000 DM; hinzu kamen Spenden von Lütjenburger Geschäftsleuten in Höhe von 10 000 DM. Da die Kosten des Baues ca. 45 000 DM betragen hätten, konnte die Stadt ungefähr 37 000 DM einsparen.

In Boksee errichtete die Feuerwehr ein Dorfgemeinschaftshaus in Eigenleistung (1980). Dadurch kam es zu einer Kostenersparnis von ungefähr 50 000 DM. Die sonstigen Kosten verteilten sich auf das Land (130 000 DM), auf den Kreis Plön (48 000 DM), auf die Gemeinde (94 800 DM) und auf Zuschüsse aus der Feuerschutzsteuer (25 000 DM).

Als die Gemeinde Gowens 1982 für ihre Wehr ein Löschfahrzeug (Ford TSF) im Wert von 60 000 DM anschaffte, bezahlte die Wehr anteilig 5000 DM. Es ist somit unter anderem der Eigenbeteiligung der Feuerwehren zu verdanken, daß ihre Leistungsfähigkeit bis in die neunziger Jahre verbessert und sichergestellt werden konnte.

Im Jahre 1990 zählte der Kreisverband Plön 114 Freiwillige Feuerwehren, davon 3 in Städten, 10 in amtsfreien Gemeinden, 101 in amtsangehörigen Gemeinden, mit 208 Löschgruppen. Die Mitgliederzahl betrug 3425, davon waren 78 weiblich.

In Schleswig-Holstein genießt der Kreisfeuerwehrverband Plön ein hohes Ansehen. Dieses ist nicht zuletzt auch das Verdienst des ehemaligen Kreisbrandmeisters Gunther Stoltenberg-Frick, der im September 1985 zum Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes gewählt wurde. Im Sommer 1992 übergab er seinem Nachfolger Hans-Peter Kröger das Amt des Kreiswehrführers.

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