8. Die Löschausrüstung im Wandel der Zeit

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfaßte als Folge der Industrialisierung in Deutschland die Mechanisierung auch das Gebiet des Brandschutzes. Während in Schleswig-Holstein der Prozeß der Industrialisierung erst mit der Eingliederung als Provinz in den preußischen Staat einsetzte, bemühten sich in Süddeutschland erfindungsreiche Konstrukteure, Manufakturinhaber und findige Handwerksmeister seit Mitte der vierziger Jahre um technische Erneuerungen im Bereich des Feuerlöschwesens.

Dazu schreibt der Fabrikant G. D. Magirus im Jahre 1877 im Vergleich mit der Entwicklung des 18. Jahrhunderts treffend: „Erst im laufenden Jahrhundert sind im Spritzenbau große Fortschritte gemacht worden, dieselben bestehen aber nicht in neuen Erfindungen, sondern darin, daß das Bekannte allgemeiner angewendet, dass alle Details mit höchster Sorgfalt eingeführt, dass solider und schöner gearbeitet wurde.“

Zwar sind uns seit dem Altertum sogenannte „Löschmaschinen“ bekannt, die erste leistungsfähige Feuerspritzenmanufaktur in Deutschland entstand aber erst um 1500 in Nürnberg. Die Gießer fertigten die Gußteile für die kleinen Stock- oder Handspritzen, die Drechsler bearbeiteten sie auf der Drehbank, so daß sie in ganz Süddeutschland und in der Schweiz verkauft werden konnten.

Die Hand- und Stockspritzen faßten nur 1,5 l Wasser zum Löschen, aber sie ermöglichten einen gezielten Druckwasserstrahl auf brennende Gegenstände.

Fünfzig Jahre später wurde die Messinghandspritze entwickelt, die in ganz Deutschland Abnehmer fand. Im Jahre 1655 erfand in Nürnberg H. Hautsch eine mit einem „Windkessel“ versehene Feuerspritze. Mit dem uns schon bekannten Ledereimer füllten die Bürger Wasser in den Kessel, während andere abwechselnd an hölzernen Stangen das Pumpwerk betätigten. Der Wasserstrahl wurde durch ein drehbares Rohr in Richtung der Brandstelle gerichtet.

Es sollte keine 15 Jahre dauern, da erfand der Holländer von der Heyde die in Deutschland ab 1677 bekannten Lederspritzen. Eine größere Verbreitung fanden sie erst durch die im Jahre 1720 erschienene Schrift von J. Leupold „Neue Nachricht von Feuer-, Rohr- und Schlangenspritzen“.

Die technische Entwicklung der Feuerspritze wurde im 18. Jahrhundert unter anderem von Schmiedemeistern vorangetrieben. Dabei erwiesen sich zunächst anfällige Holzteile, schwerfällige Konstruktionen und unpräzise geformte Metallteile in den Pumpenteilen als Nachteil. Als Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts die Mechanisierung die klassischen Handwerksberufe vom Schlosser bis zum Bäcker erfaßte, standen neue Werkzeuge zur Verfügung. So war es z. B. möglich, sauber eingeschliffene Kolben aus strapazierfähigem, fehlerfreiem Metall für größere Kolbenspritzen anzufertigen.

In den Städten und Gemeinden wurden anstelle der alten Feuerspritzen verbesserte Saugspritzen angeschafft. Aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Schönkirchen erfahren wir, daß man dort im Jahre 1888 neben der alten, fünfzigjährigen Spritze über eine der „Neuzeit entsprechenden“ Spritze mit Saugvorrichtung verfügte. Das Wasser brauchte nicht mehr mit Eimern in die Spritze gefüllt zu werden, sondern konnte z. B. aus einem Teich angesaugt werden. Die Spritze lieferte im Schnitt in 53 Sekunden bei 45 Doppelhüben 301 l Wasser und erreichte eine horizontale Bogenwurfbreite von 34 m. Sie stand auf einem mit Holzrädern versehenen Fahrgestell, das ein Pferdegespann zog. Acht Feuerwehrmänner übernahmen bei Einsätzen den Pumpenbetrieb mit der Hand.

Die Angebote der Spritzenfabrikanten, die in den Fachzeitschriften wie der „Schleswig-Holsteinischen Feuerwehrzeitung“ inserierten, wiesen innerhalb kürzester Zeit ein reichhaltiges Angebot moderner, leistungsfähiger Geräte auf (siehe folgende Seite).

Die Mechanisierung wirkte auch auf andere Gebiete des Löschwesens: Rettungsgeräte, Metallwerkzeuge, Beleuchtungsmittel, Alarmvorrichtungen und Atemschutzgeräte („Rauch-Apparate“) wurden ebenfalls erfunden, weiterentwickelt und mit Erfolg in die Praxis eingeführt. Den Feuerwehren lag ein vielfältiges Angebot an Gerätschaften vor. Um die Qualität der Ware überprüfen zu können, veröffentlichten Fachleute Empfehlungen wie die „Entwürfe zu Verordnungen und Instructionen für die Feuerwehr“ (Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, Jg. 1847). Dort konnten die Feuerwehrgründer nachlesen, worauf es beim Kauf einer Saugspritze ankam. Wichtig war unter anderem, die Geräte vor dem Kauf einer Belastungsprobe auszusetzen: „Die Spritze soll mit voller Bespannung, und der gewöhnlich mit ihr über Land gehenden Mannschaft, den schlechtesten Weg, welchen sie je zu befahren haben wird, und die grösste Entfernung, auf welche sie verwendet werden soll, keinen Falles unter zwei Stunden, in gutem Extraposttrab, ohne anzuhalten, zurücklegen.“

Ob und wieweit die Mitglieder der Feuerwehren auf Empfehlungen dieser Art eingingen, läßt sich anhand der vorliegenden Quellen nicht nachweisen. Im Kreis Plön gaben sie zunächst beim Kauf einer neuen Spritze und anderer Ausstattungsteile örtlichen Handwerkern den Vorzug; doch später setzten sie vor allem bei mechanischen Geräten ganz auf die Qualität der Fabrikanten. Es entstand ein Konkurrenzkampf, dem die Schmiedemeister nicht gewachsen waren. Sie gaben demzufolge den Bau von Feuerwehrspritzen auf.

Seit 1868 fand regelmäßig auf dem Deutschen Feuerwehrtag eine Geräteausstellung statt, die den Herstellern Gelegenheit bot, ihre Produkte im Wettstreit miteinander zu präsentieren. Unter anderem fand die seit 1828 weiterentwickelte Dampfspritze mit Pferdebespannung als Ersatz und zur Ergänzung der üblichen Handdruckspritzen ihren Anklang bei Berufsfeuerwehren der Großstädte. Im Jahre 1914 verfügten 16 Feuerwehren in Deutschland über einen „hochmodernen“ Dampfspritzenzug.

Um die Jahrhundertwende schafften sich einige Feuerwehren Elektromotorspritzen an. Im Kreis Plön waren Motorspritzen jedoch erst ab 1925 im Einsatz. Die technische Entwicklung des Löschwesens war in Norddeutschland an den Gemeinden und Feuerwehren vorbeigegangen und sollte nach Zielen der Kreisverbände möglichst bald aufgeholt werden.

Die nach dem Ersten Weltkrieg gebauten größeren Motorspritzen besaßen eine Leistungskraft von 1500 bis 2000 l/min. Sie wurden - wie z. B. in Schönkirchen noch von einem Pferdegespann gezogen. Im Jahre 1935 koppelte man dort die Spritze hinter einen Lastwagen und testete, welche Geschwindigkeit mit besetzter Spritze gefahren werden konnte (40 bis 50 km/h).

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, wurde im Zweiten Weltkrieg die Motorisierung der Feuerwehren ausgebaut. Im Jahre 1940 erhielt beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr Laboe eine neue Magirus Kraftspritze „Goliath“ mit einer Leistung von 800 l/min. Die Ausstattung der Wehr bestand aus zwei Motorspritzen und einer Handdruckspritze, die immerhin 250 l/min förderte.

Die Freiwillige Feuerwehr Schönberg besaß ab 1942 einen Mannschaftswagen (Marke Mercedes) und einen Anhänger mit Tragkraftspritze (TS 8). Die durch den Staat forcierte Entwicklung war für die Einsätze im Zweiten Weltkrieg in Kiel, Lübeck und Hamburg unabdinglich. Dennoch gelang aus finanziellen Gründen die Umstellung auf das motorisierte Löschfahrzeug nicht in allen Gemeinden des Kreises. Mancherorts mußte der Tragkraftspritzenanhänger nach 1945 hinter einen Trecker gespannt werden.

Am 17. August 1945 verfügte die britische Besatzungsmacht, daß alle benutzbaren grauen oder grünen Löschfahrzeuge rot zu streichen seien. Sie dienten den Feuerwehren noch viele Jahre bei ihren Einsätzen. Außerdem bauten die Feuerwehrmänner ehemalige Wehrmachtsfahrzeuge und die zur Verfügung gestellten Fahrzeuge der britischen Armee zu Löschfahrzeugen um. Der Festschrift „100 Jahre Feuerwehr Schönkirchen“ entnehmen wir folgendes: „Kurz nach dem Krieg bekam die Feuerwehr aus Besatzungsbeständen einen Krankentransportwagen (Phänomen) zur Verfügung gestellt. Mit Pinseln und einem Topf Farbe verwandelte man das graue Militärauto in einen roten Feuerwehrflitzer. Aber mit diesem Flitzer wollte es nicht so recht klappen. Er brach einfach zusammen, und vorbei war es mit der Motorisierung. Jetzt half Ferdinand Geest weiter. Er stellte der Wehr seinen Lastwagen mit Anhängerkupplung zur Verfügung, bis im Jahre 1954 endlich „der Ford“ mit einer V8 Maschine anrollte.“

Ohne auf die Technikgeschichte der Feuerwehrgeräte eingehen zu wollen, soll nur skizzenhaft die weitere Nachkriegsentwicklung beschrieben werden. Das zunächst nach 1945 häufig benutzte LF 8 wurde zur Brandbekämpfung und für kleinere technische Hilfeleistungen verwendet. Dagegen ist das später entwickelte LF 16 für größere Einsätze, Wasserbeförderung und technische Hilfeleistungen ausgerüstet. Im Jahr 1965 erhielt z. B. die Freiwillige Feuerwehr Schönkirchen vom Bund für den Einsatz im Katastrophenschutz ein TLF 8 mit einer Leistung von 800 l/ min. 1972 wurde ein TLF 16 angeschafft. Es hat ein Fassungsvermögen von 2400 l, und die Pumpe fördert 1600 l/min. Nach Aussagen des ehemaligen, inzwischen verstorbenen Feuerwehrfachwartes des Kreises Plön, Helmut Harder (Großharrie), liegt der „Wert des Fahrzeuges in seiner schnellen Einsatzbereitschaft und Unabhängigkeit bei der Brandbekämpfung“. Als neuere Generation der Löschfahrzeuge seien zuletzt die Tragkraftspritzenfahrzeuge und die für den Katastrophenschutz entwickelten Sonderfahrzeuge erwähnt.

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