10.4.1 Katastropheneinsatz und Übungen der Feuerwehren im Kreis Plön

Am 4. Januar 1954 kam es durch einen Orkan zu einer Flutkatastrophe an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins. Es handelte sich um die schwerste Sturmflut in diesem Gebiet seit 1924.

Die Sturmflut traf die Bewohner unvorbereitet. Weite Landstriche wurden unter Wasser gesetzt, und einige Deiche waren bedroht. An der gesamten Ostseeküste standen die Feuerwehren im Einsatz, um Sandsäcke zu füllen, Menschen, Tiere und Geräte aus überschwemmten Wohnungsgrundstücken zu bergen oder Kabelschächte, Heizungskanäle oder Keller leer zu pumpen.

Der damalige Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Pagel, und der für den Katastrophenschutz zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, der spätere Plöner Landrat Dr. Galette, sprachen den Feuerwehren für ihren Einsatzwillen und ihre Opferbereitschaft Dank und Anerkennung aus.

Eine schwere Hochwasserkatastrophe bedrohte im Februar 1962 die Schleswig-holsteinische Westküste und Hamburg. Allein im Kreis Plön waren ca. 2280 Feuerwehrmänner damit beschäftigt, aus Knickholz Faschinen zu binden, die zum Deichschutz dienten. Den Männern galt der besondere Dank des Innenministeriums:

Die „Kieler Nachrichten“ berichteten in ihrer Ausgabe vom 19. Oktober 1971 über einen schweren Herbststurm, der im Kreis Plön einen Schaden von rund 3 Millionen DM anrichtete. Ein schweres Gewitter entlud sich am späten Nachmittag des 18. Oktober über Schleswig-Holstein. Gegen 18 Uhr trafen Kalt- und Warmluft aufeinander, wodurch ein Wirbelsturm verursacht wurde. Dieser zog über Kiel hinweg in Richtung Kreis Plön. Besonders schwer betroffen wurde die Probstei. Die Freiwillige Feuerwehr Wisch wurde in die Gemeinde Fahren beordert, um Aufräumarbeiten zu leisten, da dort das halbe Dorf „abgedeckt“ wurde.

In Behrensdorf war die dortige Feuerwehr im Einsatz, nachdem das Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Familie Horn eingestürzt war. Diese Aktion war besonders tragisch, da man die Besitzerin, Elli Horn, nur noch tot aus den Trümmern ihres Hauses bergen konnte.

Mönkeberg war ebenfalls schwer betroffen von dem Unwetter. In einer Straße, die genau in der etwa 300 m breiten „Schneise“ des nach Osten ziehenden Sturmes lag, wurden rund 30 Häuser abgedeckt. Die Feuerwehrmänner und Helfer der Bundeswehr versuchten, die Häuser mit Plastikplanen notdürftig vor weiteren Regenfällen und Sturmschäden zu schützen.

Über den Einsatz während der Sturmflut im Januar 1976 (9.-11. Januar) berichtet der Wehrführer Ernst Sievers (Flüggendorf) in seinem Jahresbericht ausführlich:

Unvergessen bleibt der Schneenotstand im Winter 1978/79, der in fast allen Festschriften der Feuerwehren erwähnt wird. Eine umfassende Darstellung der Tage vom 28. Dezember bis 2. Januar gibt Hans Lage, Wehrführer in Schönkirchen:

 

Der letzte größere Katastropheneinsatz fand am 27./28. August 1989 statt, als ein Orkan über Schleswig-Holstein zog. Die ersten Schadensmeldungen gingen am Sonntagabend gegen 20 Uhr bei der Rettungsleitstelle ein. Zwei Stunden später waren fast alle Feuerwehren des Kreises im Einsatz. Der Nordoststurm, der mit Orkanböen bis zu Stärke 12 über die Ostsee und das Kreisgebiet tobte, ließ Hunderte von Bäumen umknicken, so daß viele Straßen zeitweise unpassierbar waren.

Mehr als zwölf Stunden waren weit über 50 Sicherheitskräfte von Feuerwehr, Polizei und THW z. B. auf der B 202 in Höhe von Bellin im Einsatz, um Bäume zu bergen, die nach Angaben von Herbert Rucks (Selent) „wie Streichhölzer umknickten“.

Um 3 Uhr nachts gab es den Katastrophenvoralarm, der die Schutzeinheiten von DRK und THW in Alarmbereitschaft setzte. Die ersten Meldungen über Deichüberspülungen liefen ein. Als dann die Hauptverkehrsadern des Kreises von umgestürzten Bäumen blockiert wurden, ordnete Landrat Dr. Joachim Wege um 5 Uhr den Katastrophenalarm an. Bis 7.50 Uhr bestand im Kreis ein allgemeines Fahrverbot. Langsam entspannte sich die Lage, da der Wind abflaute. Um 9.07 Uhr wurde der Katastrophenalarm wiederaufgehoben. Mittlerweile gelang es den Einsatzkräften, die Straßen -mit Ausnahme der B 502 und B 503 - wieder passierbar zu machen.

Eine Katastrophenschutzübung fand im November 1974 statt. Sie lief unter dem Namen „Schwentine 74“. Man ging davon aus, daß ein Transportflugzeug über Preetz explodiert sei und die herumfliegenden Teile Brände in der Stadt entfachten. 750 Feuerwehrleute waren im Einsatz, die von Helfern des DRK, des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Johanniter-Unfallhilfe und des THW unterstützt wurden. Insgesamt fanden sich 135 Feuerwehrfahrzeuge aus den Kreisen Plön, Ostholstein, Segeberg, Schleswig-Flensburg und der Stadt Kiel am Ort des Geschehens ein.

Neben den Löscharbeiten mußten Schwerverletzte vom „brennenden“ Dach des Kaufhauses „Garnkorb“ geborgen werden. In der Innenstadt wurden „50 Personen obdachlos“, die in Notunterkünften untergebracht wurden.

Der anwesende damalige Kreiswehrführer Gunther Stoltenberg-Frick erklärte: „Die Zusammenarbeit vor allem auch mit der Polizei sowie mit den Verwaltungen der Stadt Preetz und des Kreises Plön klappt sehr gut.“ Nach ca. 5 Stunden pausenlosem Einsatz an verschiedenen Orten der Stadt war „die Schlacht“ geschlagen. Karl Lau (Freiwillige Feuerwehr Preetz) erklärte gegenüber der Presse, daß derartige Übungen und die daraus gelernten Erkenntnisse als Grundlage für einen Einsatz im eventuellen Ernstfall dienten. Ohne diese Grundlage, bei der vor allem die Improvisation geschult würde, würde im Katastrophenfall die Zusammenarbeit von Einsatzleitung, Hilfsorganisationen, Feuerwehren, Polizei und Verwaltung große Probleme bereiten. Insgesamt bezeichnete er die Übung als gelungen.

Da seit den siebziger Jahren die Umweltschutzprobleme verstärkt in das öffentliche Bewußtsein gerückt sind, übernehmen die Feuerwehren mit Sofortmaßnahmen bei der Abwehr drohender Umweltgefahren eine wichtige Aufgabe. Im Jahre 1985 erhielten z. B. die Feuerwehren von Hohwacht, Heikendorf und Wendtorf vom Land Ausrüstungen für die Bekämpfung von Ölschäden an den strandnahen Küstengewässern. Insgesamt stehen 43 Fahrzeuge des Kreises für unterschiedliche Aufgaben im Umweltschutz zur Verfügung.

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