10. Die Feuerwehr im Einsatz

10.1 Großbrände im Kreis Plön

Über die Einsätze der Feuerwehren berichten die lokale Presse, die jeweiligen Chroniken und Festschriften der Wehren, deren Protokollbücher und Brandjournale.

Es folgt ein Auszug aus dem Brandjournal 1923/24 der Freiwilligen Feuerwehr Raisdorf (siehe folgende Seite)

Zunächst soll noch einmal an die Großbrände erinnert werden, die noch vor den Gründungsjahren der Feuerwehren im Kreisgebiet schreckliche Wirkung hatten.

Im Jahre 1642 brannten im Bereich des Klosters Preetz 42 Häuser nieder, nahezu an der gleichen Stelle, an der 1959 ein Brand ausbrach, auf den an späterer Stelle noch eingegangen wird.

Die Gemeinde Schönberg wurde im Jahre 1779 zweimal vom Feuer „heimgesucht“. Dazu schrieb der damalige Pastor Schrödter in seinen Aufzeichnungen, die einen genauen Zeitzeugenbericht wiedergeben: „Das 1779ste Jahr war für Schönberg ein betrübtes und unglückliches Jahr inbetracht des Feuers. Denn da ließ Gott es geschehen, daß in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai, als Sonnabend vor Exaudi, um 12 1/2 Uhr im Stakendorfer Thore, in des Kätners Ebert Lübkings Hause ein Feuer ausbrach, welches dieses Haus und die folgenden, dem Kätner Hans Göttsch, Jochim Windel, Paustian, Hinrich Lamp, Klaus Schoel und dem Halbhufner Eggert Lage gehörigen Häuser, zusammen 18 bis 19 Gebäude, innerhalb von 2 Stunden verzehrte.“

Über das Feuer in der Nacht vom 2. auf den 3. August berichtete er: „Das Feuer ging bei stiller Luft an, erregte aber bald den Zug des Windes, der leider gerade hinein, oder vom Süden seinen Strich nahm, immer heftiger wurde und zuletzt stark aus Südwesten bis Westen blies, so daß weit über 100 Gebäude ein Raub und Spiel der Flammen wurden.“

Ein Auszug aus dem Probsteierhagener Kirchenbuch gibt uns Auskunft über den Brand im Dorfe Hagen um 1752: „Am 13. Dezember 1752 ist bei stürmischer Witterung eine entsetzliche Feuersbrunst in dem Dorfe Hagen gewesen, wodurch 9 Häuser, groß und klein, in Asche gelegt sind. Die Kirche, das Pastorat, die Organistenwohnung und noch 5 Häuser blieben verschont. Zwei alte bettlägerige Kranke, die Witwe Schnoor und Dorthe Wiese kamen in den Flammen um, die Leiche des Krugwirt Schnack, der gestorben war, wurde mit großer Anstrengung aus dem brennenden Hause gerettet.“

In Lütjenburg brannten am 1./2. April 1826 72 Gebäude ab, wobei auch der Kirchturm beschädigt wurde. 13 Jahre später wurden 42 Gebäude im Dorf Postfeld Opfer der Flammen. Die Pflichtwehren der Walddörfer, so wurden die dem Kloster Preetz unterstellten Dörfer an der Schwentine genannt, waren aufgrund schlechter technischer Ausrüstung und Organisation in dieser Situation hilflos.

Die schweren Einsätze im Zweiten Weltkrieg sind schon in einem vorherigen Kapitel beschrieben worden. Über den ersten spektakulären Brand nach 1945 berichteten die „Kieler Nachrichten“ in ihrer Ausgabe vom 1. Mai 1957 unter der Überschrift: „Feuersturm tobte in Barsbek“. Ein Großfeuer vernichtete Ende April 1957 den Kern des Ortes Barsbek. Acht Häuser wurden zerstört, zwölf Familien verloren ihr Zuhause. Insgesamt 40 Menschen wurden obdachlos. Gegen 22.25 Uhr brach im Altenteilgebäude des Bauern E. Wiese ein Feuer aus. Nur wenige Minuten später war die Barsbeker Feuerwehr zur Stelle, um den Brand zu löschen. Sie konnte jedoch wenig ausrichten. Die ungünstige Windrichtung, langanhaltende Trockenheit, die Reetdächer und der Sog, der durch die Hitzeentwicklung entstand, zogen die anderen sieben sich in der Nachbarschaft befindlichen Gebäude in den „Brandsturm“ mit hinein. 23 Wehren, darunter die aus Kiel, Plön und Preetz, waren an der Brandstelle im Einsatz.

Nicht einmal hundert Meter von der Brandstelle entfernt, hatte es ein Jahr zuvor gebrannt. Damals fiel das Anwesen des Bauern H. Wiese mit drei Gebäuden den Flammen zum Opfer. Später stellte sich heraus, daß es sich in beiden Fällen um Brandstiftung handelte.

Im Oktober 1959 berichteten die Lokalzeitungen über das Großfeuer in der Nacht zum 4. des Monats im Preetzer Kloster. Es handelte sich ebenfalls um Brandstiftung. Dieser Fall wird uns im folgenden Kapitel näher beschäftigen.

Ein Großfeuer gefährdete 13 Jahre später, am 28. November 1972, das Dorf Postfeld. Am späten Nachmittag war in einem Stall- und Scheunengebäude des Bauernhofes H. Hingst ein Brand ausgebrochen. Stürmische Windböen bis zu Stärke acht entfachten in Minuten ein Großfeuer, dessen Schaden nach ersten Schätzen um 800 000 DM lag. Die Freiwillige Feuerwehr Postfeld rückte wenige Minuten, nachdem die Sirene ertönte, aus. Das Feuer hatte sich schon auf das kombinierte Wohn- und Wirtschaftsgebäude ausgebreitet. Der Sturm schürte das Feuer „zu einer riesigen Flammensäule“. Aus den dicken Qualmwolken, die der Sturm durch den Ostteil des Dorfes trieb, fiel dichter Glutregen auf die anderen Bauernhöfe. Die reetgedeckten Häuser wurden pausenlos „unter Wasser gehalten“. Außerdem verhinderte einsetzender Regen ein weiteres Ausbreiten des Feuers. Zwölf Feuerwehren mit 15 Löschgruppen waren im Einsatz. Erst gegen Mitternacht rückten die ersten Wehren, Sanitätstrupps und das Technische Hilfswerk (THW) ab. Die Postfelder Feuerwehrmänner konnten jedoch erst nach einem vierundzwanzigstündigen Einsatz am 29. November durch die Nettelseer Wehr abgelöst werden, die die Brandwache übernahm.

Am 16. Juli 1975 brach in der Wurst- und Fleischwarenfabrik Schön in Preetz ein Großfeuer aus, das sich innerhalb weniger Minuten ausbreitete. Gegen 9.05 Uhr wurde in Preetz Alarm ausgelöst. Nur wenige Minuten später trafen die ersten Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Preetz am Brandort ein. Die meisten Wehren des Amtes Preetz-Land sowie die aus Plön und Raisdorf wurden zusätzlich zur Brandstelle gerufen. Schließlich forderte das Ordnungsamt der Stadt noch einen Löschzug der Kieler Berufsfeuerwehr an. Insgesamt waren 150 Feuerwehrmänner von elf Wehren im Einsatz, die erst nach mehr als seiner Stunde den Brand unter Kontrolle hatten. Der entstandene Schaden ging in die Millionen.

Die „Kieler Nachrichten“ berichteten in ihrer Ausgabe vom 19. Oktober 1976 über ein „Großfeuer in Lütjenburg“. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag (17./18. Oktober) wurde die Lütjenburger Polizei von den Nachbarn der Gaststätte „Kaisersaal“ davon in Kenntnis gesetzt, daß sich dort ein starker Brandgeruch verbreitete. Gegen 3.15 Uhr wurde Großalarm gegeben. Als die Feuerwehr um 3.30 Uhr am Brandort eintraf, schlugen die Flammen 12 bis 15 m hoch aus dem Dachstuhl. Außer der Lütjenburger Wehr waren die der Nachbarorte Klamp, Sechendorf, Darry, Kaköhl-Blekendorf, Neudorf sowie die Plöner und Preetzer Feuerwehr im Einsatz. Nach zwei Stunden war das Feuer unter Kontrolle. Es entstand ein Schaden von mehreren Millionen DM; denn das Feuer vernichtete ein Kino, das Gasthaus und ein hieran angebautes Wohnhaus.

Wie schnell sich aus einem Brand auf einem Herd in einer Großküche ein Großfeuer entwickeln kann, das einen Schaden über 5 Millionen DM anrichtete, zeigte sich 1980 im Ferienzentrum Holm/Schönberg. Eine Bratpfanne mit brennendem Öl auf einem unbeaufsichtigten Herd löste das Feuer aus. Die gerufene Schönberger Feuerwehr hatte die brennende Pfanne gelöscht, ohne zu ahnen, daß die Flammen bereits in der Entlüftung wüteten und sich dann auf die Nachbarkomplexe ausbreiteten. Eine Stunde, nachdem die Schönberger Feuerwehr gerufen worden war, gab es Großalarm. Im Einsatz waren die Berufsfeuerwehr Kiel und Wehren aus dem Kreis Plön mit insgesamt 300 Leuten, 60 Polizeibeamten, 40 Helfern des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), ein Hilfstrupp des THW und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Gebäude mußten evakuiert werden, und aus dem obersten Stockwerk mußten die Menschen sogar durch Hubschrauber gerettet werden. Es dauerte mehr als sechs Stunden, bis die Feuerwehren den Brand unter Kontrolle hatten. Der gesamte gastronomische Bereich des Ferienzentrums fiel den Flammen zum Opfer.

Am 30. Juli 1984 berichteten die „Kieler Nachrichten“ von einem Großfeuer in Laboe. Nachdem das Feuer unter Kontrolle war, erklärte der Laboer Gemeindewehrführer H. Rothenhagen: „So ein Feuer hatten wir in Laboe noch nie.“ Der Schaden belief sich nach ersten Schätzungen auf ca. 2 Millionen DM. Das Feuer brach vermutlich im Aufenthaltsraum des Kontors der Holzhandelsfirma „Vöge und Wiese“ aus, von dem nur die Grundmauern erhalten blieben. Innerhalb weniger Stunden vernichtete es den gesamten Holzbestand und Maschinenpark der ältesten Laboer Firma (1874 gegründet). 18 Feuerwehren aus der Probstei waren mit rund 200 Leuten im Einsatz.

In einigen Fällen handelte es sich bei den Bränden um Brandstiftung, ein in Holstein - besonders im Bereich Dithmarschen - oftmals verübtes Delikt. Im folgenden Kapitel werden einige als Brandstiftung nachgewiesene Brände im Kreis Plön erwähnt.

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