3.3.3. Von der Freiwilligen Turnfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr Preetz

In den Apriltagen des Jahres 1869 lasen die Bürger der Stadt Preetz in ihrer Tageszeitung folgenden Aufruf unter der Überschrift „Preetzer Feuerwehr“: „Seit einigen Tagen ist ein längst projectirtes Institut ins Leben gerufen, welches gewiß von sämmtlichen Bürgern gebilligt und als zweckmäßig anerkannt wird. Leider ist es nur noch eine kleine Anzahl junger Leute, welche sich daran betheiligen, aber hoffentlich werden bald mehrere beitreten und das begonnene Werk vervollständigen helfen. Hier wie in anderen Orten, werden die Kosten aus der Commünecasse bestritten, wodurch es Jedem, sowohl den Aermeren als den Wohlhabenden ermöglicht wird, sich diesem nützlichen Beruf zu widmen. Durch die jetzigen Mitglieder in Verbindung mit der Brandcommission, ist Herr Carl Schröder, unter Leitung des Oberbranddirectors, Herr Lütjohann stehend, für das junge Corps als Führer (Hauptmann) erkannt.

Herr Schröder ist, wie vielen Preetzer Bürgern bekannt ist, ein Mann, der durch seinen Willen, gesunden Verstand und nebenbei durch ausgezeichnete körperliche Kraft sich für diese Stellung ganz vorzüglich eignet und gewiß alles aufbieten wird, daß die Preetzer Lösch- und Rettungs-Compagnie der Kieler Freiwilligen Turner-Feuerwehr nacheifert und möglichst gleich zu werden sich bestrebt.

Söhne Preetzer Bürger, und Ihr jungen Bürger, jetzt ist Euch Gelegenheit geboten, der Commüne zu zeigen, daß Ihr Willens seid für Euren Heimathsort nicht Mühen und Gefahren zu scheuen. Stellt Euch freiwillig der neuen Preetzer Lösch- und Rettungs-Compagnie, damit wir nicht mehr hinter kleineren Orten, wie Lütjenburg und Gettorf zurückstehen müssen. Nehmt ein Beispiel an unseren Kieler Nachbarn, die uns am vorletzten Sonntage glänzende Proben ihrer Fähigkeiten und ihres Muthes gegeben haben.

Und Euch, Ihr jetzigen Mitglieder der Feuerwehr, rufe ich die Worte, welche Herr Grauel aus Kiel an uns richtete, ins Gedächtnis zurück: „Ihr jungen Kameraden, denkt nicht die Feuerwehr sei eine Spielerei, und die Uniform und Waffen, die Ihr tragt, seien Euer Spielzeug. Nein! die Feuerwehr ist ein Institut, dessen Mitglieder, wenn es sein muß, Gut und Blut für das Leben ihrer Mitmenschen zum Opfer bringen.“

Preetzer, tretet ein in unsere Reihen und bewährt Euch als Männer. Durch Beschluß des Turnvereins und der jetzigen Mitglieder der Feuerwehr ist der bisher übliche Beitrag für Letztere aufgehoben und der Beitritt frei von allen Kosten.

Die Anmeldungen zum Eintritt in die Preetzer Lösch- und Rettungs-Compagnie sind bei dem Hauptmann derselben, Herrn Carl Schröder zu beschaffen.“

Diese Freiwillige Turnfeuerwehr bestand von 1869 bis 1875. Ihr erster Hauptmann war Bäckermeister Schröder, der bis 1873 dieses Amt inne hatte und dann vom Webermeister Lau abgelöst wurde.

1875 zeichneten sich Bestrebungen ab, die Freiwillige Turnfeuerwehr vom Turnverein zu lösen. Der neugewählte Hauptmann Dabelstein lehnte die Wahl ab, weil die Feuerwehr laut Statuten zu militärisch geführt wurde und er kein Soldat gewesen sei. Damit löste er innerhalb des Vereins eine Krise aus; denn es gab auch keine zweite Wahl. Einen Tag später erklärten sämtliche Mitglieder ihren Austritt.

Damit offenbarte sich ein allgemeines Problem in den Gründerjahren der Freiwilligen Feuerwehren. Es lag für die erste Generation der Vereinsgründer nahe, Organisationsprinzipien vom Militär zu entlehnen. Die Armee war damals der größte Massenverband, der geordnet in Aktion trat. Disziplin und Gehorsam waren Grundgesetze jeder Feuerwehrorganisation, aber kommandieren wie die Soldaten ließen sich die Feuerwehrmänner ungern. In einer der zahlreichen Broschüren zur Errichtung von Freiwilligen Feuerwehren zog O. Faber deutlich die Grenze zum Militärischen.“ Sämtliche Übungen müssen möglichst schnell und sicher ausgeführt werden, was am besten dadurch zu erreichen, daß der Einzelne, nach tüchtigem Einüben der nöthigen Vorübungen, sich, ohne natürlich die Disziplin zu verletzen, möglichst selbständig bewegt. Das Richtige ergibt sich hierbei ganz von selbst. Jedenfalls werden auf diese Weise die Lust und die Liebe der Mannschaft am Dienste mehr angeregt und die Uebungen selbst prompter ausgeführt, als bei einer allzu großen Bevormundung, wie sie ein peinliches Drillen stets im Gefolge hat. Wir empfehlen deshalb, überall diesen Weg einzuschlagen, d. h. der Selbständigkeit des Individuums den nöthigen Spielraum zu geben.“

Die Abgrenzung zum Militär wurde jedoch nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und der Reichsgründung aufgegeben. Es galt, Freiwillige Feuerwehren zu gründen, die sich streng nach der Disziplin, des militärischen Exerzitiums und des einheitlichen Oberkommandos zu richten hätten. „Soll die Feuerwehr die Stufe der Vollkommenheit erlangen, auf welcher sich die Heere unserer Zeit befinden“, heißt es in einem Artikel der „Zeitung für Feuerlöschwesen“ von 1871, „so kann allerdings in keinem dieser Punkte etwas nachgelassen werden.“

Die Freiwillige Turnfeuerwehr Preetz löste sich in dieser internen Krisensituation selbst auf, aber am 15. Juli 1875 wurde ihr Nachfolger, die Freiwillige Feuerwehr Preetz, gegründet. Die genannten Schwierigkeiten des Turnfeuerwehrvereins waren vermutlich schon Monate vor der Auflösung akut. Am 6. März, also vier Monate vor der Auflösung, rief der Stadtbeigeordnete H. Cramer eine Versammlung ein, auf der für die Gründung einer freiwilligen Wehr geworben wurde. Die Vertreter der Stadt, darunter Bürgermeister Diercks, erklärten sich bereit, sich dieser Angelegenheit intensiv zu widmen. Da auch Mitglieder der Turnfeuerwehr ihr Interesse bekundeten, kam die spätere Auflösung derselben nicht überraschend.

Am Gründungstag traten 36 Männer der Wehr bei, deren Mitgliederzahl sich nach wenigen Tagen auf 56 erhöhte. Sie wählten den Färbermeister Brandenburg zu ihrem ersten Hauptmann.

Wie für Plön liegt uns auch für die Stadt Preetz ein Regulativ aus jener Zeit vor, das am 1. August 1873 in Kraft trat (Polizeireglement für das Brandlöschwesen der Stadt Preetz). Das Brandlöschwesen unterstand zwar der Oberaufsicht des Bürgermeisters, die spezielle Leitung aber wurde einer Branddirektion übergeben, die sich für den technischen Einsatz verantwortlich zeigte (1 und 2 des Reglement). Die neugegründete Wehr war dieser Direktion unterstellt und nahm deren Anweisungen entgegen.

Wie schon erwähnt, begrüßten die Behörden die Gründungen von freiwilligen Wehren nicht nur, sondern förderten sie auch. Die Freiwillige Feuerwehr Preetz war die dritte des Kreises Plön. Es folgten im ländlichen Bereich die Gründungen von Wehren in Altheikendorf (1877) und in Schönberg (1879).

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