3.3.1 Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Lütjenburg

Schon im Jahre 1848 erklärte der 1818 geborene Heidelberger Spritzenfabrikant Carl Metz, ein Wegbereiter des modernen Feuerlöschwesens, in seinem Aufruf zur Bildung Freiwilliger Feuerwehren: „Das Löschwesen ist Turnwesen. Denn was nützen alle technischen Kenntnisse, wenn körperliche Kraft und Gewandtheit in Ausführung der bestimmten Maßregeln fehlen, was wäre aber alles dies zusammengenommen, wenn die Handlungen nicht durch die Haupttriebfeder, durch innige aufopfernde Nächstenliebe erzeugt würden? Eine Dampfmaschine ohne Dampf!“

Innerhalb der Turnvereine entstanden die ersten Rettungs- und Löschkompanien auf freiwilliger Basis. Am 27. Januar 1864 reichte der Turnverein Lütjenburg beim Magistrat der Stadt eine Eingabe betreffend der Bildung einer Feuerwehr und etwas später den Antrag, eine neue Feuerspritze anzuschaffen, ein. Dieses Projekt hießen die Stadtcollegien am 15. September 1864 gut und unterstützten es: „1. daß von Seiten der Stadt ein Local zur Aufbewahrung der, ohne Zuthun derselben vom Turnverein anzuschaffenden, Sprütze nebst Zubehör angewiesen und die Unterhaltung der Sprütze nebst Zubehör übernommen wird; 2. daß dem Verein nöthigenfalls aus Stadtmitteln die bei der Stadt erforderlichen sechs bis acht Feuereimer geliefert werden, dann aber unter folgenden Bedingungen: 1. daß die Sprütze unter allgemeiner Aufsicht der Brandkommission steht, 2. daß die Feuerwehr beim Ausbruch eines Feuers in der Stadt den Anordnungen der Brandcommission, namentlich des Präses derselben, insbesondere was die Art der Verwendung der Sprütze betrifft, sich unterwirft, 3. daß kein, zur Bedienung der städtischen Sprützen nebst Zubringer verpflichteten Bürger durch den Eintritt in die Turnfeuerwehr von seiner Verpflichtung befreit und 4. daß im Falle die Feuerwehr sich auflöset oder zur Bedienung der Sprütze nicht zahlreich genug bleibt, diese dann der Stadt anheimfällt.“ Dieser urkundlich festgehaltene Ratsbeschluß ist der erste schriftlich festgehaltene Nachweis für das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehr Lütjenburg.

Aus einem Schreiben des Magistrats an den Oberpräsidenten in Schleswig vom 21. ]uli 1869 läßt sich die endgültige Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, die neben der Pflichtwehr bestanden hatte, auf das Jahr 1866 datieren. Wir entnehmen diesem Schreiben unter anderem: „Eine Turnfeuerwehr befindet sich seit 3 Jahren hier in Lütjenburg. Vor 3 Jahren wurde aus der Fabrik von Moltrecht u. Co. in Hamburg eine zweirädrige Karrenspritze aufgekauft.(...) Die (...) Ausrüstung der Mannschaft wurde durch Beiträge des Turnvereins und durch eine freiwillige Sammlung in der Bürgerschaft bewirkt, indeß fehlen zu einer vollständigen Ausrüstung augenblicklich noch manche Gerätschaften. Die Mannschaft besteht aus 1. Steiger und Rohrleiter z. Z. zehn Mann 2. Spritzenmannschaft z. Z. zwölf Mann 3. zwei Signalbläser 4. ein Ober- und zwei Unter-Commandeure. Die Bekleidung der Mannschaft aus: einer leinenen Bluse und weißer Drell-Mütze. Die Spritze hat 105 lfd. Fuß Druckschläuche, letztere sind jedoch schadhaft. Die Rohrmündungen halten 1/2 und 3/8 Zoll Durchmesser, die Strahlhöhe bei Anlegung von 75 Fuß Druckschläuche beträgt ca. 50 Fuß. Die Spritze, welche gefüllt zwei Tonnen enthält, wird in 1-2 Minuten ausgepumpt. Übungen der Mannschaft werden monatlich gehalten. Der Magistrat erlaubt sich ein Statut der Lütjenburger Turner-Feuerwehr anzulegen und schließt mit der gehorsamsten Bemerkung, daß der sich bei der Spritze No. 1 herausgestellte Mangel sofort abgeholfen, sowie auf möglichst baldige Vermehrung und Verbesserung der Löschgerätschaften für die Turn-Feuerwehr Bedacht genommen werden wird.“

Obwohl der preußische Staat die Gründungen von Freiwilligen Feuerwehren begrüßte, stand er jeglichem Vereinswesen zunächst einmal mißtrauisch gegenüber. Ein Verein, in dessen Namen der Begriff „Freiwillig“ Vorkam, wurde zunächst auf seine Staatstreue hin untersucht. Dieses wäre eine mögliche Erklärung dafür, weshalb die Behörden in Schleswig die Statuten der Freiwilligen Feuerwehr Lütjenburg einsahen. Es gab jedoch keine Korrekturen, anders als in einigen Fällen in Baden (Süddeutschland).

In Lütjenburg bildete die Turnerschaft den Kern der Wehr. Mit der Zeit wurden auch nicht vereinsgebundene Bürger Mitglied. Es handelte sich vor allem um Kaufleute und Handwerksmeister, die den Verein gegründet haben oder ihm beitraten.

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