3.2 Der große Brand und seine Auswirkungen auf das Feuerlöschwesen

Im Mai 1842 wurde Hamburg von einer Brandkatastrophe heimgesucht, die aus unbekannter Ursache in der Deichstraße ausbrach. In der Nacht des 5. Mai erscholl der Ruf des Nachtwächters: „Füer! Füer in de Diekstraat!“ Sofort wurden die nach Reglement vorgeschriebenen Verhaltensmaßregelungen getroffen: die „Knarren“ wurden geschwungen, von den Türmen das Feuersignal geblasen, die Glocken geläutet, Richtlaternen aufgesteckt und auf den Wällen Alarmschüsse gelöst.

Das Feuerwehrwesen der Stadt war 1822 und 1833 reorganisiert worden und galt für damalige Verhältnisse als vorbildlich. Nur wenige Minuten nach Ausbruch des Brandes befanden sich die Spritzenwagen in der Deichstraße. Es waren ins gesamt 1150 Feuerwehrleute mit 34 Land- und 11 Schiffsspritzen im Einsatz. Trotz ihrer Bemühungen breitete sich das Feuer innerhalb von vier Stunden auf die ganze Stadt aus; denn der Wind trieb es vom Hafengebiet sehr rasch in Richtung Innenstadt.

Der leitende Spritzenmeister, A. Repsold, erkannte schnell, daß den Flammen mit Löschwasser nicht beizukommen war. Deshalb machte er den Vorschlag, durch Sprengung mehrerer Häuserreihen eine Schneise zu legen, um ein weiteres Übergreifen zu verhindern.

Die notwendigen Vorbereitungen wurden getroffen, doch der Rat der Stadt war in dieser Situation völlig hilflos. Man fürchtete sich vor den Regreßansprüchen der Betroffenen und verwarf den Vorschlag. Außerdem fehlten genügend Experten, die eine halbwegs vernünftige Organisation hätten aufbauen können. Da der Rat der Situation nicht gewachsen war, entstand in der Bevölkerung zudem eine Panik. Die Folge waren Plünderungen. Es gab keine Leitstelle, die die Löscheinsätze koordinierte bzw. keine Zentrale, die der Bürgergarde Anweisungen hätte geben können, die Übergriffe von Banden zu unterbinden.

Erst gegen 11.30 Uhr gab der Stadtrat die Anweisung zur Sprengung. Doch jetzt war es zu spät, weil ganze Straßenzüge in Flammen standen, die die gesprengten Scheiden überwanden. Das Feuer erreichte den Hopfenmarkt und vernichtete die Nikolaikirche.

Die Feuerwehrleute waren zu diesem Zeitpunkt völlig erschöpft, da für keine Ablösung gesorgt worden War. In dem entstandenen Chaos dachte niemand mehr an ein organisiertes Vorgehen. Viel zu spät bat man in den umliegenden Gebieten um Hilfe.

Die Stadt Lübeck schickte seine gesamte Feuerwehrmannschaft zum Einsatz, weitere Löschmannschaften aus Altona, Kiel, Lauenburg, Lüneburg und anderen Städten folgten. Trotzdem erlosch das Feuer erst am Morgen des 8. Mai. 51 Menschen verloren ihr Leben. Nicht weniger als 85 Straßen mit 4219 Wohnhäusern und 3 Kirchen waren vernichtet worden.

Dieser Brand veranlaßte viele Städte, ihr Löschwesen neu zu organisieren. Die Erkenntnis, daß bisherige Maßnahmen nicht mehr ausreichten, führte zur Einführung der freiwilligen Wehren, Anschaffung funktionsfähiger Löschmittel und verbesserten Ausbildung der Löschmannschaften. Hamburg dagegen beharrte weiterhin auf sein vor allem organisatorisch unzulängliches Löschwesen und entschloß sich erst 1872 zur Gründung der Berufsfeuerwehr.

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